wojjgifu.

wojjgifu (Subst.) the gift of song, verbunden mit wop (sound, noise, poetry, song),
verbunden mit heafodwop, Stimme, wörtlich »Kopfgeräusch«.

Wie klingt ein Baum?

wojjgifu

wojjgifu ist das zweite Werk des Zyklus DOGGERLAND nach dem gleichnamigen Gedicht von Ulrike Draesner. Die Partitur ist ein Koordinatensystem, in dem sich die Musiker:innen bewegen. Teil der Partitur ist ein Computerprogramm, welches durch sein Eigenleben die Aktionen der Akteure spiegelt, steuert und kontrolliert. wojjgifu ist Komposition, Handlung, Installation. Die Stimmen der Musiker:innen werden zum Sprechen, Geräuschemachen und Singen verwendet und mit zuvor aufgenommenen Klängen konfrontiert. Wie bei allen Stücken von DOGGERLAND schreibe ich keine Dauer vor. wojjgifu soll so langsam wie möglich erklingen. Diese Langsamkeit führt die Zuhörer:innen in die Welt von DOGGERLAND.

wojjgifu ist der Beginn des Gedichts. Das erste Kapitel trägt den Titel: Erstes Bodenleben. Die Interpret:innen müssen zunächst in die Rolle von Steinzeitmenschen schlüpfen, also in die von Jägern und Sammlern. Der erste Schritt, um sich der Komposition wojjgifu zu nähern, ist, im wahrsten Sinne des Wortes Jäger und Sammler zu werden. Ich schreibe also keine Instrumente vor, sondern Materialien. Gefundene Holzstücke, Äste, Steine, Muscheln oder Samen bilden das Reservoir an Objekten, die sowohl die Bühne schmücken als auch als Klangerzeuger fungieren.

Damit werden zentrale Fragen wie die nach dem Ensemble oder dem Instrumentarium aufgeworfen. Die Bühne wird zum Spielfeld. wojjgifu besteht aus fünf Bildern und einer Coda. Jedes Bild gleicht einer Art Station, in der Objekte zu Klangerzeugern werden. Aus dem Computer kommen Klänge, auf die das Ensemble reagieren kann. wojjgifu ist ein Werk, das die Frage nach dem Genre neu stellt. Ist es eine Komposition, eine Installation? In den fünf Bildern plus Coda werden 13 Zeilen des Gedichts verwendet. Formal sind alle Bilder ein großes Crescendo, das in der Coda mit den Worten endet: »Kaum singst du es brennt auf das Land«.